Existenzgründungen Teil 1 – Vorsicht Falle!

 

Herzlich Willkommen zum heutigen PERSONALETICS-Blog-Eintrag.

Ich wurde von Marion und Daniel gebeten, als Gastautor meine Erfahrungen in diesem Blog hin und wieder mit einzubringen. 

 

Ich bin als Bankkaufmann bei einer nachhaltig orientierten Bank im Ruhrgebiet im Bereich der kleinen gewerblichen Finanzierungen tätig. Dabei entscheide ich zum Beispiel Finanzierungen zu Existenzgründungen bis 100.000 EURO. Hierbei muss immer wieder geklärt und beurteilt werden, ob der jeweilige Antragsteller in der Lage ist, die geliehenen Mittel der Bank im abgesprochenen Rahmen zu tilgen. Das heißt, es muss die Person als auch das jeweilige Vorhaben und vor allem die geplante Ertragskraft des Unternehmens geprüft werden.

 

Welche Fragen werden bankseitig geprüft?

  • Ist die/der Gründer/in kaufmännisch und fachlich ausreichend ausgebildet? 
  • Kann sie/er Mitarbeiter führen? 
  • Ist kaufmännisches Denken vorhanden? 
  • Wurden Ausfallrisiken bedacht? Hier geht es zum einen um die eigene Arbeitskraft als „Alleinunternehmer/in“ als auch die von wichtigen angestellten Personen. Besitzt der Existenzgründer Erfahrungen in dem Bereich – mindestens als Führungskraft bei Drittfirmen? Wie lange? Waren es bisher mindestens 3-5 Jahre? 
  • Wie sieht das Netzwerk der/s Gründerin/s im spezifischen Bereich aus? Besitzt sie/er die notwendigen Kontakte? 
  • Ist ausreichendes Eigenkapital vorhanden? Kann der Kostenblock während der geplanten Gründungsphase durch Eigenkapital mindestens um 6-12 Monate erweitert werden? 
  • Auf wen kann sich der/die Gründer/in im Notfall verlassen? Wer unterstützt ihn/sie?
  • Verspricht das Vorhaben wirtschaftlichen Erfolg? 
  • Wie viele Konkurrenten gibt es – regional und überregional oder sogar weltweit? Wie sind die Konkurrenten/Mitbewerber aufgestellt? (Preise/Angebot etc.) 
  • Wie hebt er/sie sich von anderen ab? Was ist der USP (unique selling point= Alleinstellungsmerkmal)?

Fragen über Fragen und noch mehr Fragen. Es gibt natürlich noch viel mehr Aspekte, die ich bei der Bewertung berücksichtigen muss. 

 

Aber wenn man all diese Fragen und Gesichtspunkte betrachtet – man beurteilt in allem die Person der/des Gründerin/s im Zusammenhang mit dessen Idee/Vorhaben.

 

Was sollten Sie anders machen, um nicht zu scheitern?

In Deutschland werden aktuell immer noch mehr Unternehmen gegründet als die, die aufgeben oder aus wirtschaftlichen Gründen in die Insolvenz gehen. Allerdings erreicht die Zahl der Schließungen schon fast die der Gründungen.

 

Warum ist das so? 

 

Viele Gründer/innen gehen nicht richtig bzw. nicht vollständig informiert den Weg in die eigene Existenz. Sie gehen oftmals von falschen Voraussetzungen aus, vertun sich in ihren Rentabilitätsberechnungen mit der Zeit oder auch prognostizierten Umsätzen oder sind teilweise sogar nicht in der Lage, unternehmerisch zu handeln und Mitarbeiter zu führen.

 

Jetzt fragt man sich, wieso viele der Gründer/innen nicht im Vorfeld alle diese Dinge klären oder berücksichtigen. Es gibt sehr viele Gründerberater/innen, die oftmals aber nichts anderes erledigen, als das Konzept aufzustellen und „hübsch“ darzustellen, damit es den Anforderungen der Banken entspricht. Die Prüfung der Fähigkeiten der handelnden Person erfolgt leider oftmals nicht.

 

Die Gründer/innen sollten im Vorfeld viel besser vorbereitet sein bzw. werden und zuerst Geld „in sich selbst“ investieren bevor sie ihr Wunschprojekt angehen! 

 

Fragen, wie:

  • Bin ich die richtige Person für diesen Job/dieses Vorhaben? 
  • Habe ich die notwendigen kaufmännischen und persönlichen Voraussetzungen?
  • Erkenne ich das Geschäftspotential wirklich richtig? 
  • Kann ich führen? 
  • Nimmt der Markt meine Idee und mich wirklich auf?“ 

Diesen Fragen gilt es, sich im Vorfeld zu stellen.

 

Die Anzahl der abgelehnten Anträge und der Unternehmen, die innerhalb von 2 Jahren wieder schließen, nimmt in den letzten Jahren leider zu. Der wesentliche Grund liegt meist in der schlechten Vorbereitung in oftmals mehreren der oben angesprochenen Hauptbereiche. 

 

Meine Empfehlung:

Warum nutzt man nicht professionelle Coachs, um zu ergründen, ob „man wirklich eine Führungskraft ist“? Wieso lässt man sich nicht bei erkennbaren Schwächen schon vor der Gründung auf Hilfestellungen zur eigenen Person ein? 

 

Wenn eine junge Führungskraft direkt von der Universität kommt und eine tolle Idee hat, empfehle ich unbedingt, auf professionelle Coachings zurückzugreifen. 

 

Arbeitserfahrungen in der Branche können Sie nicht vorweisen – Sie haben noch keine Mitarbeiter geführt – Sie haben aber eine tolle Idee. 

 

Verschaffen Sie sich das erforderliche Rüstzeug! Lernen Sie in Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung sich und ihr Gegenüber kennen und zu beurteilen. Wie motiviere ich mich und auch meine Mitarbeiter, wie kann ich Zeit für mein Unternehmen effizienter planen und einsetzen? Stärken Sie Ihre Resilienz – schon resiliente Kinder werden von ihren Erzieherinnen als anpassungsfähig, belastbar, aufmerksam und voller Selbstvertrauen beschrieben. Wenn Sie zusätzlich auch noch gute Bewerbungen von schlechten unterscheiden und parallel dazu die Person gegenüber schnell auf wichtige Einsatzbereiche beurteilen können – dann verfügen Sie über wesentliche unternehmerische Fähigkeiten.

 

Als Alleinentscheider über Kredite dieser Art wünsche ich mir oftmals Personen, die genau dieses Anforderungsprofil erfüllen. Damit ist die wesentliche Voraussetzung in ein Gelingen des Vorhabens geschaffen und eine positive Entscheidung fällt schneller und leichter.

 

Für alle Gründer/innen ein letzter, aber ganz wichtiger Hinweis: Lieber am Anfang Geld sinnvoll in sich selbst investieren, als das Scheitern Ihres Projektes zu riskieren!   

 

Eine schöne, erfahrungsreiche Zeit wünscht Ihnen

 

 

Thomas Bayer

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